Freitag, 31. Oktober 2014

Blog 9: „Der bewegte Mann“ – Wie wird die Homosexualität im Film dargestellt?


„Der bewegte Mann“ ist eine Komödie von Sönke Wortmann, die im Jahre 1994 erschien. In dem Film handelt es sich vor allem um die beiden Männer Axel und Norbert. Axel hat zum wiederholten Mal seine Freundin Doro betrogen und wird daraufhin aus der Wohnung heraus geschmissen. Einen Unterschlupf findet er schließlich beim homosexuellen Norbert, dieser wiederum ist von Axel angetan. Axel leidet unter der Trennung von Doro, doch er glaubt nicht an eine Versöhnung. Als er mit Norbert das letzte Mal die gemeinsame Wohnung aufsucht, um seine Sachen abzuholen, erwischt Doro den nackten Norbert im Kleiderschrank. Denn fälschlicherweise glaubte Norbert bei Axel auf Zuneigung zu treffen, doch dass dies nicht der Fall ist wird früh geklärt und auch Doro kann Axel wieder verzeihen. Da Doro ein Kind erwartet, entscheidet sich das Paar zu heiraten. Als Axel jedoch einer seiner attraktiven Ex-Freundinnen trifft, spielt er mit dem Gedanken die hochschwangere Doro abermals zu betrügen. Norbert  stellt ihm hierzu seine Wohnung zur Verfügung. Doch Doro kommt Axel auf die Fersen und findet ihn groteskerweise regungslos und nackt auf dem Wohnzimmertisch sitzend. Elke hatte auf diesem zuvor ein Zuchtbullen-Spray zur Steigerung des Geschlechtertriebes angewendet, der ihn jedoch zur völligen Regungslosigkeit versetzte. Im selben Moment beginnen bei Doro die Wehen und Norbert bringt sie ins Krankenhaus. Am nächsten Morgen wird die frischgebackene Mutter von Axel besucht, den sie jedoch zurückweist. Es bleibt offen, ob Doro Axel verzeiht. 

 
Liest man sich diese Inhaltsangabe durch, so könnte man behaupten, dass es in dieser Komödie um eine typische On-Off Beziehung handelt, die durch den untreuen Axel an keine feste Gebundenheit herankommt, auch nicht durch die Heirat. Demnach ist sowohl das Thema, als auch die Darstellung von Axel und Doro bekannte Typisierungen. Ein groteskes Gegenstück zu Axel stellt Norbert und seine Umgebung dar. Norbert und sein enger Freund Walter sind homosexuell und verbringen ihre Freizeit auf Partys, die sie als Frauen verkleidet besuchen. Vor allem Norbert fühlt sich von Axel angezogen, aber er leidet darunter, dass Axel heterosexuell ist und kein Interesse an ihm zeigt. Trotzdem stellt er sich stets als Stütze und Hilfe für ihn dar, sodass bald Axel in Norbert einen treuen Freund findet. Es ist auffällig, dass die Homosexualität in dem Film als ein völlig normaler und dazugehöriger Teil der Gesellschaft dargestellt wird: Walter besucht eine Männergruppe, Norbert hat einen normalen Job und wohnt in einer relativ guten Wohnung, die Männer tragen normale Klamotten, gehen ins Kino etc. Ich denke, dass dieser Umstand besonders im Titel wiedergegeben wird. Meiner Meinung nach deutet der Titel „Der bewegte Mann“ auf Axel. Axel ist derjenige, der sich völlig unbeirrt und ungehemmt zwischen den homosexuellen Männern bewegt. Durch das stete Hin- und Hergehen zwischen der homosexuell und der heterosexuell geprägten Umgebung bringt er erst die Normalität der Homosexualität zum Ausdruck. Sein Befinden in der schwulen Männer-Gruppe verursacht jedoch die Bewegung eines weiteren Mannes. So  kann ich auch Norbert als den „bewegten Mann“ bezeichnen, da er als einziger im Film charakteristisch ist. Er ist ein sehr emotionaler, Empathie empfindender und menschlicher Mann, dessen Gefühle einsehbar und Handlungen nachvollziehbar sind. Im Gegensatz zu ihm ist Axel sehr vereinfacht und in seinem Charakter oberflächlich dargestellt. Ich finde, dass dieser Kontrast wiederum die Harmonie zwischen Homosexualität und Heterosexualität aufhebt. Die besondere Fixierung auf den schwulen Norbert, das Befinden Axels als Einziger in der schwulen Gruppe und die mehrfache Ablehnung dieser durch Doro (Schrank-Szene; Hochzeits-Szene; Wehen-Szene) deuten auf die Abgrenzung zu einer Fremdgruppe. Zwar hebt Doro diesen Gedanken später auf, doch ist es nicht außer Acht zu lassen, dass die Abweichung von Anderen auf die Etablierung einer Norm beabsichtigt. Demnach gibt es auch Züge im Film, in denen man die Dominanz der Heteronormativität erkennt. Die letztendliche Komik mag womöglich im letzten Abschnitt des Filmes liegen. Nachdem Axel von Doro aus dem Krankenzimmer gewiesen wird, findet er Trost bei Norbert. Die beiden Männer laufen nebeneinander und miteinander scherzend den Flur entlang. Sie entfernen sich vom Krankenhaus, da sie gemeinsam frühstücken möchten. Dieses Ende ist an sich nicht witzig, aber es befindet sich eine gewisse Ironie darin. Das Weglaufen der beiden Männer deutet hier wieder auf den Titel „Der bewegte Mann“. Axel entfernt sich dabei an der Seite von Norbert von Doro und seinem Sohn. Das wirkt wie eine Abwendung zu seiner Familie und eine Hinwendung zur Homosexualität. Aus dem Dialog der beiden Männer kann man erfassen, dass dies nicht der Fall ist, wodurch die Ironie zum Vorschein tritt. Ich denke es steckt die Polemik dahinter, die meint, dass Homo- und Heterosexualität in der Gesellschaft sehr gut nebeneinander stehen und miteinander wirken kann.

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