Mittwoch, 5. November 2014

Blog 10: „Solino“ – Parallelszenen: Giancarlo und Jo auf der Filmpreisverleihung. Gigi und Ada am Strand bei Solino.


 

„The House of the Rising Sun” ist ein Lied der Band „The Animals”, das 1964 zum Hit wurde. Dieses Lied spielt für die Analyse der Parallelszenen eine wichtige Rolle, da sie die einzige Verbindung zwischen ihnen darstellt. Die Parallelszenen definieren eine Separation der bis dahin unzertrennlich wirkenden Brüder Giancarlo und Gigi. Giancarlo befindet sich in Duisburg und Gigi in Solino. Giancarlo sitzt mit Jo im Publikum der Filmpreisverleihung und Gigi sitzt allein vor der leeren Leinwand im erwerbslosen Freilichtkino. Während die Atmosphäre in der Preisverleihung sehr freudig, amüsant, hektisch und laut erscheint, wirkt sie im Freilichtkino abgestumpft, einsam und stumm. Die äußere Atmosphäre der Brüder bringt dabei ihr inneres Befinden zum Vorschein. 


Giancarlo, die dominante Bruderfigur, erlebt hierbei einen inneren Sturm. Er hat sich dagegen entschieden nach Solino zu gehen und sich um die Mutter zu kümmern, wohl wissend, dass Gigi als der Produzent des nominierten Filmes an der Preisverleihung hätte teilnehmen sollen. Ihn zerrt der Wunsch nach der Befugnis über die Position seines Bruders und die Begehrung seiner Freundin Jo zum Betrug von Gigi. Die darauf folgende Szene stellt dahingegen den im Stich gelassenen, betrogenen Gigi dar. Der leere Kinosaal und die verstummte Leinwand deuten auf den Einhalt des aktiven Teilnehmens Gigis in seiner Leidenschaft – dem Einhalt in seiner Karriere als Filmemacher. Gigi ist in Solino stecken geblieben. Das trägt die Bedeutung, dass er einen retardierenden Moment erleidet, der ihn in seiner Fähigkeit zum Produzieren von Filmen rückfallen lässt. Er wirkt hoffnungslos und hilflos zugleich. Dahingegen schwebt Giancarlo auf einen Höhepunkt zu.



Den ersten Preis erhält Gigis Film und Giancarlo füllt die Abwesenheit seines Bruders, indem er den Preis entgegennimmt, dabei sich aber nicht als dessen Bruder zu erkennen gibt. Dementsprechend schenken ihm Presseleute und Filmemacher durch Gratulation und Lob im Glauben er sei Gigi Aufmerksamkeit. Das Lied „The House of the Rising Sun“ wird in der Szene mit Giancarlo nur im Hintergrund instrumental abgespielt, während es auf Italienisch von Gigi und seinen Freunden am Strand bei Solino gesungen wird. „La casa del sole“ ist dem Liedtext entsprechend ein ruiniertes Haus, wonach sich der Sänger, der sich als armen Jungen bezeichnet, sehnt. Zudem wird im Liedtext erwähnt, dass die Mutter ihren Kindern erzählen soll, nicht das zu tun was sie tat, stattdessen sollen sie in Sünde und Elend im „casa del sole“ leben. Schließlich wird gesungen, dass der Sänger zu diesem Haus zurückkehrt, um sich daran anzuketten. Das dieses Lied nur in der Szene mit Gigi in Solino gesungen wird ist sehr bemerkenswert. Denn es spiegelt Gigis Umstand dar. Wie die Figur im Lied, entscheidet sich auch Gigi nach Solino dem „casa del sole“ zurückzukehren, obwohl er kaum Karrieremöglichkeiten  hat. „Feuer und Leidenschaft“ ist dabei das Lebensmotto an dem er sich festhält.  Im Moment, indem er das Lied mit Ada singt, belebt er die Hoffnung in sich in Zufriedenheit zu leben und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. So sieht er seinen Bruder erst nach zehn Jahren wieder. Die Umarmung der Brüder am Ende des Films stellt eine Versöhnung dar. Dabei scheint Gigi Giancarlo verziehen zu haben. Der Grund hierfür liegt erklärt in seinem Lebensmotto „Feuer und Leidenschaft“. Gigi hat trotz schlechten Karrieremöglichkeiten einen weiteren Kurzfilm gedreht, den er im neu aufgebauten Freilichtkino den Solino-Bewohnern vorstellt. Gigis Leidenschaft liegt hierbei nicht im Ruhm, den er durch die Veröffentlichung seiner Filme erhofft, sondern in der Tätigkeit und der Liebe zum Film allein. Dass das Lied am Strand von Solino gesungen wird, gerade in dem Moment, in dem die Sonne aufgeht, deutet auf diese Leidenschaft. 


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