Freitag, 14. November 2014

Blog 11: „Kebab Connection“ – Zur Reflexion: Welche Bedeutung trägt das Schimpfwort bzw. der Kosename „Eşoleşek“?



In dem Film  „Kebab Connection“ findet die Bezeichnung „Eşoleşek“ mehrmals an Verwendung. Auffällig ist hierbei, dass dieser Ausdruck nur von Mehmet bezüglich seines Sohnes Ibrahim ausgesprochen wird. „Eşoleşek“ kommt aus dem Türkischen und bedeutet so viel wie „Sohn eines Esels“. „Eşek“ trägt hierbei mehrere Bedeutungen. Ein Esel ist charakteristisch für seine störrische Art und lässt sich zu nichts dressieren. Er hat seinen eigenen Kopf. Gleichsam wird der Esel als Arbeitstier betrachtet und gilt demnach auch als sehr arbeitstüchtig. Diese Charaktereigenschaften können auch auf eine Person übertragen werden. So wird diejenige Person als „Eşek“ bezeichnet, die entweder sehr dickköpfig ist oder die sehr fleißig, strebsam ist. Im Film nennt Mehmet Ibo viermal „Sohn eines Esels“. Dabei nimmt dieser Begriff in den einzelnen Szenen jeweils unterschiedliche Bedeutungen an. Jedoch wirkt sich die Beschimpfung bzw. der Kosename jedes Mal rückwirkend auf den Sprecher Mehmet aus. Im zuerst genannten Beispiel erfährt Mehmet, dass Ibo Titzi geschwängert hat. „Und was machst du, Sohn eines Esels? Hm? Du machst es trotzdem“. Mehmet ärgert sich, da sein Sohn trotz steter Ermahnungen eine „Ungläubige“ geschwängert hat. Die Bezeichnung „Sohn eines Esels“ wirft jedoch seine Verärgerung in ein anderes Licht. Es klingt nämlich eine Enttäuschung hervor, die aus Mehmets Glauben in der Belehrung seines Sohnes versagt zu haben, resultiert. Im zweiten Beispiel erfährt Mehmet, dass Ibo erfolgreich an einem Vorbereitungskurs für schwangere Frauen teilgenommen hat. Auch hier reagiert er mit dem Ausruf „Sohn eines Esels“. Es kann darauf gedeutet werden, dass Ibo als Dickkopf bezeichnet wird, da er sich trotz der Beschimpfungen des Vaters weiterhin an die Seite seiner schwangeren, deutschen Partnerin stellt und dies durch die Teilnahme an dem Kurs bestätigt. Doch ich kann hier auch eine gewisse Liebenswürdigkeit heraushören. Mehmet kann seinen Sohn für den Halt zur Partnerin und dem Kind loben und im selben Moment sich selbst beleidigen. In diesem Falle ist er derjenige dickköpfige Esel, der sich nicht in die Situation seines Sohnes hineindenken konnte und willkürlich handelte. Im nächsten Beispiel besucht Mehmet Ibo und beschimpft ihn, da dieser die schwangere Titzi im Stich ließ. Und auch in diesem Gespräch wirft er seinem Sohn vor ein „Eşoleşek“ zu sein. In Bezug zu Mehmet nimmt der Begriff dieses Mal die Funktion eines Komplimentes an. Ich würde behaupten, dass Mehmet seinen Sohn als einen „Besserwisser“ bezeichnet, da dieser den Widerspruch in seiner Aussage und Handlung durchschaut. Daraufhin nennt Mehmet sich selbst ein weiteres Mal „Esel“, der viel zu stur dafür ist, den Widerspruch selbst aufzulösen. Im letzten Dialog trägt die Bezeichnung „Sohn eines Esels!“ eine bedeutende Funktion. Vater und Sohn befinden sich im Krankenhaus und rauchen gemeinsam eine Zigarette. Die Männer sind ein wenig angespannt, da sich Titzi im Moment der Geburt des Kindes befindet und Ibo kurz davor steht, selbst Vater zu werden. So stellt Ibo seinem Vater die Frage, was eigentlich einen guten Vater ausmacht und erhält daraufhin die Aufforderung, das Kind und nicht den Vater danach zu fragen. Der Ausdruck „Sohn eines Esels“ bezieht sich ausschließlich auf Mehmet selbst und gar nicht auf Ibo. Mehmet nennt sich „Esel“ und gesteht sich damit ein, nicht immer ein guter Vater gewesen zu sein. Es wäre als Vater eigensinnig zu behaupten, er habe in der langwierigen Erziehung des Kindes immer richtige Entscheidungen getroffen und richtig gehandelt. Die Beurteilung des Vaters liegt am Kind selbst.  „Eşoleşek“ stellt hierbei ein Kreislauf dar: So gibt es den sturen Vater, der stets versucht seinen Sohn nach willkürlichen Aspekten zu erziehen und das Kind, das stets versucht nach dem eigenen Kopf zu agieren. Demnach kann kein Vater seinem Kind jemals gut genug sein und kein Kind kann jemals den Anforderungen des Vaters vollkommen entsprechen. Sowohl Vater als auch Sohn stellen sich immer wieder wie ein „Esel“ an.

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