Donnerstag, 4. Dezember 2014

Blog 12: „Die fetten Jahre sind vorbei“ – Zettel an der Wand: Manche Menschen ändern sich nie.




 

Der Zettel mit der Aufschrift „Manche Menschen ändern sich nie“ erscheint in der letzten Szene des Films „Die fetten Jahre sind vorbei“. Er hängt an einer kahlen Wand der leergeräumten Wohnung von Peter und Jan, die gerade von einem Polizei-Sonderkommando gestürmt wurde. Bei dem Zettel handelt es sich sowohl um eine Nachricht als auch um eine Warnung. Es ist deutlich erkennbar, dass der Inhalt des Zettels auf eine Ansprache des Lesers zielt. Im engeren Sinne gilt die Nachricht für Hardenberg und im weiten Sinne gilt sie der Elite, in der sich Hardenberg  bewegt. In Betracht der vergangenen Geschehnisse können wir sicher davon ausgehen, dass der Zettel von den drei Freunden Jan, Peter und Jule verfasst wurde. Hardenberg und Jule hatten sich bereits durch einen Autounfall kennengelernt, bei welchem sich Jule als Schuldige dem reichen Geschäftsmann verschuldete. Sie steht dadurch in tiefen finanziellen Nöten und muss sogar ihre Wohnung aufgeben. Als Jule jedoch  bei der Fahrt durch eine Vorstadt von Jan über die nächtlichen Pläne und Vorgänge mit Peter erfährt, beschließt sie Rache an Hardenberg zu nehmen. Die beiden jungen Leute begeben sich auf Hardenbergs Grundstück, das sich zufällig in derselben Gegend befindet und brechen in die Villa ein. Der Methode von Peter und Jan entsprechend verrücken sie Möbel, hinterlassen eine Nachricht und verlassen die Villa ohne einen Raub durchzuführen. Peter und Jan hinterlassen stets die Nachricht „Die fetten Jahre sind vorbei“ oder „Sie haben zu viel Geld“ und fügen die Kennzeichnung „Die Erziehungsberechtigten“ hinzu. Ihre Absicht gilt dabei dem Ausdruck ihrer Präsenz und ihres Widerstandes gegen das kapitalistische System. So wollen sie den Vermögenden Angst einflößen und das Gewissen jedes dieser Einzelnen  ansprechen. Jule und Jan müssen sich jedoch ein weiteres Mal in die Villa begeben, um Jules Telefon zu suchen. Sie werden von Hardenberg erwischt, der wiederum von den beiden überwältigt wird. Schließlich eilt Peter zur Hilfe und die drei entführen den Geschäftsmann in die Schweiz, wo Jules Onkel eine Hütte besitzt.  Nach kurzer Zeit erfahren sie, dass Hardenberg zur APO-Generation in den 1968ern gehörte und ein Freund Dutschkes war. Er gesteht sich jedoch ein, sich mit der Zeit immer mehr dem vorherrschenden System angepasst zu haben. Daher könne er den Idealismus der drei Freunde verstehen, ihre Methode hierfür aber nicht als angemessen empfinden. Man könnte behaupten, dass Hardenberg zu diesem Zeitpunkt sehr sympathisch wirkt. In einigen Szenen wirkt er zudem nachdenklich, sodass dem Zuschauer der Gedanke aufkommt, dass die drei Freunde womöglich etwas in ihm bewegt haben. Schließlich vergewissert er ihnen, sie nicht bei der Polizei anzuzeigen und Jules Schulden zu streichen. 


 Diese Annahme wird jedoch mit der letzten Szene aufgelöst. Hardenberg hat doch die Polizei verständigt. Peter, Jan und Jule schienen sich über dies bewusst gewesen zu sein, weshalb ihre Flucht aus der Wohnung erklärt werden könnte. Jedoch bestätigt die Aufschrift an der Wand das Fortbestehen und die Präsenz der „Erziehungsberechtigten“. So könnte man auch darauf deuten, dass sie sich nie verändern bzw. nicht verändern werden. Somit erklären sie den Halt an ihre Ideale und ihr Fortbestehen. Es bleibt offen, ob sie dieselben Methoden anwenden werden oder ihren Widerstand auf anderen Wegen fortführen wollen. „Manche Menschen ändern sich nie“ kann wie oben erwähnt auch auf Hardenberg bezogen werden. Demnach wird er als derjenige bezeichnet, der nicht auf seinen Reichtum verzichtet bzw. verzichten wird. Er war derjenige, der sich von der 68er-Bewegung und seinen Idealen löste. Man könnte behaupten, dass er seinen Idealen nicht treu blieb oder nie wirklich von ihnen überzeugt war. Ich denke für Hardenberg spielt „Bequemlichkeit“ eine wichtige Rolle. Sein Reichtum schenkt ihm Bequemlichkeit, die für Außenstehende unantastbar ist. Das wird jedoch durch den Einbruch in seinen privaten Wohnsitz gestört und die Unantastbarkeit gebrochen. Da er aber wie Jule es sagt, ein „Alpha-Männchen“ ist und mehrmals die Ablehnung ihrer Methode geäußert hat, versuchte er durch den Einsatz der Polizisten seine Unantastbarkeit weiterhin zu behaupten. Indem Hardenberg sie anzeigt, beweist er, dass die Elite keine Bereitschaft zur Veränderung trägt. Solange sie sich nicht verändert, verändern sich auch Jule, Jan und Peter nicht. So gelten ihr Verschwinden und die Ungewissheit über nächste Taten als passiver Widerstand.

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