Donnerstag, 28. August 2014

Blog 1: Warum interessiere ich mich für diesen Kurs?


Weshalb interessiere ich mich für diesen Kurs? Als Studentin der deutschen Literaturwissenschaft arbeite ich selbstverständlich mit „Literatur“. Der Begriff der „Literatur“ und dessen Definition ist weitreichend, doch mein Hauptmerk setzte ich in meinem bisherigen Studium allein auf die geschriebene Literatur, demnach nur auf den „Text“. Der Kurs „Neues Deutsches Kino“ fasst aber über diesen momentanen Blickwinkel hinaus und bietet mir die Möglichkeit neue Bereiche des Literaturbegriffs zu erfassen. Hierzu müsste ich mich zunächst neu orientieren. Die Arbeit mit der Literatur in akustischen und optischen Medien erfordert nämlich neue Arbeitstechniken zur  Analyse und Interpretation. Diese möchte ich neugierig diesem Kurs entnehmen. Es ist spannend zu erfahren, inwieweit diejenigen Methoden der Textanalyse auf die Filmanalyse übertragen werden können und worin sie völlig  hinfällig bzw. durch andere Methoden zu ersetzen sind. Natürlich ist dabei von Vorteil die zeitlich-chronologische mediale Entwicklung in Abhängigkeit der vielen Filme zu betrachten.  Eine Einführung in die Kunst der Filmtechnik sollte hierzu gewährleistet sein, da sie nach meiner Vorstellung einen großen Bezug zu literarischen Komponenten wie Erzählperspektive, Handlung, Personenkonstellation usw. darstellen. An dieser Stelle stellen sich mir die Fragen, welche Funktionen diese Komponenten im Film tragen und wozu sie mit Hilfe der ausgewählten Technik angewandt werden. Es fällt mir sehr schwer eine Antwort auf die Frage „Was ist Ihr Lieblingsfilm?“ zu geben. Ich persönlich schaue nicht gerne Fernsehen und möchte auch keinen Fernseher in meiner Nähe dulden, solange nicht tatsächlich ein „Film“ darin läuft. Meiner Meinung nach dient nämlich das meiste im Fernsehen zur Unterhaltung und ist für mich zeitvergeudend und bringt unnützes Wissen mit sich. Filme möchte ich dabei außen vor lassen. Warum? Vielleicht kann ich diese Frage erst am Ende dieses Semester im Detail beantworten. In der letzten Zeit aber haben vor allem türkische Filme, die ich zuvor nie bevorzugt hatte, meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Im Folgenden einige Titel: Kelebeğin Rüyası“ („Der Schmetterlingstraum“), „Benim Dünyam“ („Meine Welt“), „Kış Uykusu“ („Winterschlaf“ – welches ich mir noch unbedingt ansehen muss und dessen Untertitel es leider noch nicht in deutsch gibt). 


Diese Filme sind alle dem Genre Drama einzuordnen. Sie bringen besonders gut die Illusion einer gegenwärtigen Geschichte in mir hervor, da die Fiktionalität in einer solchen Art und Weise dargestellt wird, dass ich mir denke, das Geschehen sei im Kontext einer realen Geschichte entstanden. Dieses Phänomen ist vor allem bedingt durch die Thematisierung von geschichtlichen, kulturellen, psychologischen und anderen den Menschen unmittelbar betreffenden Punkten. Demnach scheint es, dass ich Filme bevorzuge, die ein hohes Maß an Gegenwärtigkeitsillusion beinhalten und dessen Themen sich in der Gesellschaft, meinem Leben und meine Umgebung betreffen könnten. Hierzu muss ich offen gestehen, dass ich den Begriff der „Gegenwärtigkeitsillusion“ oft im Bezug zur Analyse von epischen Texten verwendet habe und womöglich darin meine Neigung zu solchen Filmen liegt. Der Inhalt solcher Filme ist dramatischen Texten nah. Meine Erwartung an diesen Kurs lautet demnach: Ich möchte neue Perspektiven einnehmen und lernen den Film unabhängig von einem literarischen Text zu analysieren und interpretieren. Ist das überhaupt möglich? Es ist ebenso wichtig geschichtliche, kulturelle, soziale und politische Aspekte der Handlungen in allen Genres zu erkennen, auch wenn einige dieser Genres nicht meinem „Geschmack“ entsprechen. Vielleicht gibt es auch in Science Fiction-Filmen Realitätsbezüge. Ich möchte die Filme in der Rolle eines zeitgenössischen Rezipienten kommentieren können und erhoffe mir durch den Film neuen Zugang zu historischen, politischen Ereignissen und Entwicklungen innerhalb der deutschen Geschichte zu finden. Ich möchte den Zeitgeist, dem ich in den türkischen Filmen begegnet zu sein scheine, nun auch konzentriert in deutschen Filmen erfahren und ihre Gegenwärtigkeit verspüren.